Mio novembre - infine!

Nach langer Zeit ohne Rückmeldung melde ich mich mit einer Zusammenfassung der letzten Wochen. Der Monat war geprägt von besonders anstrengender, aber spannender Arbeit, des Beginns unseres Sprachkurses und eines äußerst interessanten Besuchs in der Waldenserkirche in Riesi.




















Außerdem habe ich jetzt Tennis für mich entdeckt. Der Sportplatz auf dem Gelände des Servizio Cristiano bietet uns dafür die Möglichkeit.

Nachdem ich meinen kurzen Urlaub in Castellammare del Golfo beendet hatte und in meinem neuen Zuhause eintraf, begrüßte mich das Chaos: Drei Freiwillige fielen aus, sodass die gesamte Arbeit (die Olivenernte dauerte noch an) umorganisiert werden musste. Dies bedeutete für mich konkret, in meiner Mittagspause in der Schule bei der Essensausgabe zu helfen. Dazu kam, dass in dieser Woche zwei neue große Projekte in der manutenzione (Instandhaltung) anstanden. Eine Kabine, in der ursprünglich die Motoren für die Kühlanlagen der Küche standenwurde abgerissen und dort aus ästhetischen Gründen ein kleinerMauervorsprung errichtet, der Wasser- und Gasleitungen verbergen soll. Mit dem Bauschutt legten wir eine neue Terrasse.
Das nächste Projekt begann am Montag dieser Woche: Die Mauern eines Raumes der Scuola Primaria waren von Schimmel und Feuchtigkeit derartig befallen, dass mein Chef beschlossen hat, Gipsplatten zu montieren, um den Schimmel einzudämmen. Ob diese Arbeit sinnvoll ist, bezweifle ich, aber diese Praxis ist wohl hier üblich. Hierbei lernte ich eine neueTätigkeit kennen: Wände verputzen! Eine Arbeit, die auf den ersten Blick einfacher aussieht, als sie in Wirklichkeit ist. Nach einigen Versuchen durfte ich dann endlich alleine mit dem Verputzen beginnen!

Besonders spannend war unsere Teilnahme am Gottesdienst der Waldenserkirche in Riesi, sowie dem anschließenden Essen in der Gemeinde. Der Gottesdienst wurde von einem jungen Pfarrer aus Deutschland gehalten, der insgesamt vier Jahre in Palermo und Riesi gearbeitet hatte und nun mit seiner Familie zu Besuch war. Das Zusammensein und die Gespräche mit den Gemeindemitgliedern während des Essens brachte viele neue Antworten auf meine Fragen bezüglich der waldensischen Geschichte in Riesi: So lud 1871 der damalige Bürgermeister nach einem heftigen Streit mit den einheimischen katholischen Priestern einen Waldenserpfarrer (Augusto Malan) ein. Die Waldenser (eine seit dem 12. Jahrhundert existierende protestantische Bewegung , deren Ursprung in den Waldensertälern in den Westalpen liegt) breiteten sich nach den Reformen von 1848 nach über 700-jähriger Unterdrückung und Verfolgung in ganz Italien aus, wo sie zahlreiche soziale Einrichtungen errichteten (
http://www.waldenserkirche.de/geschichte-der-waldenser).   
Augusto Melan wurde von zahlreichen Bürgern der Stadt, unter ihnen viele Intellektuelle, die ebenfalls eine sehr kritische Einstellung zu der katholischen Kirche hatten, feierlich begrüßt. Nach kurzer Zeit trat eine so große Anzahl an Menschen aus Riesi den Waldensern bei, dass eine Gemeinde gegründet werden konnte. 1898 erwarben die Waldenser einen Teil des Palazzo Faraci im Zentrum der Stadt, an der eine Kirche angebaut wurde. Neben dieser Kirche gab es noch eine Grundschule, die bis 1952 geführt wurde.
Es gab Zeiten, da gehörten mehr als die Hälfte der Einwohner aus Riesi der waldensischen Kirche an - im katholischen Italien eine absolute Besonderheit. Heute ist diese Kirche allerdings eine Minderheit (Wikipedia: weltweit etwa 98.000 Mitglieder).









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